Der Mitarbeiter-Kreis befasste sich mit dem Thema Mission, dem Handlungsfeld, welches für das Jahr 2023 wegweisend und zentral sein soll in unserer Kirchengemeinde. Zuvor hatte sich der Theologie- und Gottesdienst-Ausschuß am 22.11. getroffen und sich dem Thema bereits gestellt.

„Mission“, ein furchtbar belastetes Wort, in dessen langem Schatten europäische Kolonial- und Herrschaftsgeschichte liegen, Unterdrückung, Sklaverei und Assimilierung … und dennoch bleibt es ein zentraler Begriff der christlichen Verkündigung, und wir verwenden keinen anderen! Wir sprechen gar vom „Missionsbefehl Jesu“, dem Auftrag, den er seinen Jüngern gab, bevor er sie verließ: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht alle Völker zu Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alldas halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit. (Matthäus 28,18-20)

Dieser Bibeltext beschäftigte uns auch diesen Abend. Was ist eigentlich „Mission“? Was sagt dieser Befehl, dieser Text selbst eigentlich? Wie kann das heute aussehen? Was müssen wir tun, Was brauchen die Menschen, Was müssen wir anders machen, Was dürfen wir nicht ins Belieben stellen und preisgeben?

Der Anlass ist ersichtlich und auch offen zu benennen: Es verlassen so viele Menschen wie noch nie die Kirchen. Die Gründe sind unterschiedlich, aber allen gemein ist offensichtlich, dass die innere Bindung nicht mehr ausreicht, den verschiedenen Gründen – die es geben kann – zu trotzen. Natürlich treibt uns diese Tatsache oft um (es wäre auch komisch, wenn dem nicht so wäre), aber letztlich bringt es nichts, auf jeder Versammlung, Konferenz oder Synode darüber zu spekulieren oder zu klagen – das ist auch nicht der uns gegebene Auftrag!

Krisen helfen, sich auf das Wesentliche rückzubesinnen, und so sind sie zu begrüßen. Von dorther durchdachten und hinterfragten wir unser Tun. Die Kirchen sind in unseren Breiten nicht mehr in der Situation, mit offenen Türen zu warten, bis Menschen zu ihnen kommen, sondern wir sind gerufen, zu den Menschen zu gehen und sie direkt anzusprechen. Damit werden wir auf „ursprüngliche Pfade“ zurückverwiesen, denn so hat das Christentum damals begonnen, wir sind in die Welt hinausgerufen; Jahrhunderte des Volkskirchentums, als die christliche Religion „Standard“ war, haben uns darin ungeübt gemacht.

Die Gedanken waren vielfältig, wie das aussehen kann: der direkte Aufruf zur Taufe, die stärkere Vernetzung mit nicht-kirchlichen Einrichtungen und Institutionen, die öffentliche Präsens mit Angeboten der Seelsorge und des Gesprächs, der weitere Ausbau der Nutzung der Sozialen Medien, Plakatwerbung an Bushaltestellen und öffentlichen Plätzen, und dergleichen mehr. Ziel dabei ist nicht eine Ansammlung von möglichst attraktiven Events (alldas ist nett), sondern neue Räume und Wege der Beziehung zu schaffen – die Botschaft Jesu war von Anfang an eine Beziehungsbotschaft, Beziehung des Menschen zu Gott und des Menschen zum Menschen.

Die Sehnsucht danach ist ungebrochen und in diesen Zeiten dringlicher denn je, Kirchenaus- oder eintritte unbesehen! Dieses Geheimnis der Beziehung, aus dem wir alle leben, führt manchmal sogar erklärte Atheisten dazu, sich salben und segnen zu lassen, wie uns Pfarrer Bernd Mackscheidt erzählte. Es lehrt und erinnert uns, dass die Grenzen, die wir oft im Blickfeld haben, durch Gottes Gegenwart durchbrochen und überwunden werden.

Für den Ausschuß und die Mitarbeiterversammlung

Simon Fischer

 

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